Durch Abschaltung der Kohlekraftwerke wird es keinen Windenergieüberschuss im Norden geben, der nach Süddeutschland transportiert werden muss

Bei einer Veranstaltung im E-Werk referierte der SPD Landtagsabgeordnete und energiepolitische Sprecher der SPD Fraktion im Landtag, Stephan Grüger, vor ca 200 Teilnehmern über die Notwendigkeit der geplanten SuedLink Leitung, die nach Willen von Tennet, 60km durch den Werra-Meißner-Kreis führen soll.

Stephan Grüger ist ein ausgewiesener Fachmann für erneuerbare Energien. Durch seine jahrelange berufliche Tätigkeit im Energiesektor und durch sein bis in die 80er Jahre zurückreichendes Engagement für den regenerativen Umbau der Energieversorgung hat er sich ein umfassendes Wissen über die technischen und ökonomischen Bedingungen und Möglichkeiten der Energiewirtschaft angeeignet.

„Mit dem Kohleausstieg werden die nördlichen Bundesländer ihren erzeugten Strom selbst benötigen. Deutschland ist in zwei sogenannte Energiezonen aufgeteilt, Nord und Süd. Allein der nördliche Bereich benötig pro Jahr ca 306 terrawatt Stunden. Die in diesem Raum befindlichen Windkraftanlagen (Offshore und Onshore) werden in Zukunft - bei zügigem Ausbau allenfalls 2/3 des Bedarfs im Norden abdecken. Warum sollte der dort produzierte Strom dann in den Süden, insbesondere Bayern und Baden –Württemberg transportiert werden? Bayern und Baden-Württemberg müssen selbst für ihren Bedarf sorgen und sind damit aufgefordert, wie auch andere Bundesländer, eine dezentrale Energieversorgung aufzubauen“, so Stephan Grüger.

Diese Aussage untermauerte der Referent mit belastbaren wissenschaftlichem Zahlenmaterial.

Weiterhin erläuterte er, dass die „Geschichte“ vom Stromüberschuss und damit für die Notwendigkeit einer HGÜ-Leitung, des sog. SuedLink, aus einer Zeit stamme, als vom Kohleausstieg überhaupt noch keine Rede war. Damals setzte man auf eine zentrale Energieversorgung, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Auch durch die Oligopolisierung der Energieversorgung und somit eingeschränkten Wettbewerbsfähigkeit ist es geboten, viele dezentrale Energieversorgungen (Genossenschaften, Bürgerbeteiligungen, Stadtwerke, etc.) vorzunehmen.

„Wenn also neue Voraussetzungen durch den beschlossenen Kohleausstieg vorliegen, müssen auch neue Berechnungen über die Notwendigkeit von SuedLink angestellt werden,“ so die beiden Landtagsabgeordneten Fissmann und John.

„Wir fordern deshalb alle Bürgerinnen und Bürger, alle Verbände, Vereine und Betroffene auf, ihre Widerstände gegen die SuedLink Trasse zu formulieren und diese bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Denn nur wer schriftliche Widersprüche formuliert hat, wird später beim Planfeststellungsverfahren auch angehört werden.“

„Es kann nicht sein, dass wir Hessen die Zeche für diejenigen bezahlen sollen, wie z.B. Bayern, die so gut wie keine Windräder zulassen,“ so Fissmann und John.